| Stammeslager in Westernohe vom 31. Juli bis 13. August 2010 |
|
|
| Geschrieben von Florian Ries | |
|
„Eeeeeeeeegh, eeeeeeeeeegh“ schallt es durch den Wald. Sind wilde Tiere in Westernohe freigelassen worden? Oder haben sich die Bewohner der Westerwälder Gemeinde Irmtraut zum Generalstreik versammelt? Nein, nein, das diesjährige Motto des Pfadfinderstammeslagers lautete Steinzeit und die Laute bildeten, nun ja, die etwas primitive Sprache der Steinzeitmenschen.
Für Jufis und Pfadis begann das Lager schon vier Tage früher und diese Zeit wurde ausführlich genutzt. Wir bauten wieder einen Turm, diesmal jedoch in einer etwas komplexeren Bauweise, die auch bei einem uns besuchenden Pfadfinder aus dem Kongo bleibenden Eindruck hinterließ. Außerdem stellten wir unser gesamtes Schwarzzelt auf, was gerade die Jufis jedoch nicht daran hinderte, die eine oder andere Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Eine Tageswanderung führte uns zum großen Weiher, in dem massenhaft Schlick und Schling-pflanzen ausgegraben wurden und über Rennerod zurück auf den Zeltplatz. Nach 15km Fußmarsch waren dann auch alle ordentlich platt. Doch es gab keine Pause, denn schon rief eines der zahlreichen Fußballspiele, die unter hartem körperlichen Einsatz auch der Leiter ausgetragen wurden. Die fleißigen Jufis schreckten ebenfalls nicht davor zurück, sich ein Floß zu bauen, das sie jedoch leider nicht mit auf die Wanderung zur Krombachtalsperre nehmen konnten, da es doch einige Kilos auf die Waage brachte. Bei dem zweiten Besuch des Sees konnten wir uns dann aber von der Schwimmfähigkeit desgleichen überzeugen. Freitags kamen dann auch die Wölflinge nach, und gleich in der ersten Nacht herrschte große Aufregung: Frank kam zum Überfall! Dank ausgeklügelter Stellen für die Wachposten konnten wir ihn jedoch stellen, bevor allzu viel Schaden angerichtet worden war und er wurde kurzerhand gepflockt, also an Pflöcken am Boden festgebunden. Am nächsten Tag begann dann das Programm und nach einer Wanderung, bei der es galt, Fossilien zu folgen, trafen der Steinzeitforscher und seine Assistentin gemeinsam mit den Kindern auf eine Horde Wilder. Nur mit Lendenschürzen aus Fell bekleidet mussten sich diese erst einmal den Menschen aus der Zukunft nähern und diese ausgiebig begutachten. Da war allen klar: Wir hatten uns 20.000 Jahre zurückversetzt und waren in der Steinzeit gelandet. Dem Zeitgeist entsprechend bauten sich die Kinder dann am nächsten Tag Steinzeitklamotten, -schmuck, Speere und Keulen. Auch kleinere Regenschauer konnten die tapferen Steinzeitler und unter ihnen den etwas vertrottelten Neandertaler nicht schrecken, so dass man sich auch auf gefährliche Mammutjagd machte. Nach einer langen Hatz stand dann plötzlich das riesige Tier vor uns und wir mussten uns leise anschleichen. Doch dank unserer ausgeklügelten Waffen erlegten wir das Mammut. Nun gut, eine realistischere Beschreibung würde wohl so klingen: Das arme Tier hatte keine Chance gegen die anrollende Kinderlawine aus deren wandähnlicher Formation nur noch Speerspitzen aller Länge und Form herausragten und das Opfer in Sekundebruchteilen zerrissen. Im Lager wurde dann ganz friedlich das Feuermachen mit Feuersteinen und anderen urtümlichen Methoden gelehrt und Klanghölzer gebastelt, die unsere „Eeeeegh, ääääääägh?“-artige Artikulationsvielfalt dann deutlich vergrößerten, denn mit ihnen konnte man sich über weite Strecken bemerkbar machen. Eine landschaftlich äußerst reizvolle Wanderung führte uns über Oberrod noch einmal über Hessen an die Krombachtalsperre. Eine gruselige Nachtwanderung musste ebenfalls noch bestanden werden. Nachdem ein gesichtsloser Einsiedler aufgegriffen worden war, mussten die Kinder eine Strecke alleine durch den dunklen Wald bewältigen. Doch dann wurde auch noch eine vom Baum hängende Leiche entdeckt, so dass man wieder heilfroh war, im Lager ums Feuer zu sitzen. Am nächsten Tag dann der große Schreck: Wo war der goldene Hammer geblieben? Hatte ihn der dusselige Neandertaler verschlampt oder war er dreist geklaut worden? Alle Steinzeitmenschen mussten verhört werden und langsam fügten sich die Puzzleteile zum großen Bild, so dass die Schuldige ausgemacht werden konnte. Wölflinge und Jufis machten beide getrennt voneinander Versprechen, nachdem sie sich einen Nachmittag lang mit den Pfadfindergesetzen vertraut und sich Gedanken dazu gemacht hatten. Das konnte von Bildermalen bis zum Einsammeln von Gegenständen in der Natur auf vielfältige Art und Weise geschehen. Die Versprechensfeiern fanden dann auf der Wacholderheide und in einer kleinen Kapelle bei Fackelschein statt. Auch ein Stufenwechsel stand auf dem Programm, so dass es blaue Halstücher nur so regnete. Nach Zeltabbau und Reinigen der Böden warteten alle darauf, wieder in die Neuzeit zurückzukehren, was dank des goldenen Hammers auch gelang. Leider verschwanden damit auch alle Steinzeitmenschen, doch zurück blieben noch die süßen Erinnerungen an ein aufregendes Abenteuer. |
| < Zurück | Weiter > |
|---|




