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Sommerlager der Roverstufe in Prag und Dresden 2009 Drucken E-Mail
Geschrieben von Florian Gethöffer   

Die Roverstufe fuhr vom 4. bis zum 14. August in ihr Sommerlager, die Richtung war festgelegt: Es ging nach (in den) Osten. Nach einer wunderschönen Nachtfahrt und einer Besichtigung Pilzens um halb vier kamen wir morgens auf dem „Sunnyside Campingplatz“ in Prag an, um zu erfahren, dass unser Platz in etwa vier Stunden geräumt sein würde. 

Nach einer Mütze Schlaf bauten wir also unsere Jurte unter den argwöhnischen Blicken der anwesenden Biker und Hippies auf und machten uns am Nachmittag auf, Prag zu erkunden. Das Nationaltheater, die Karlsbrücke und der Hradschin (Prager Burg) waren im Nu erklommen und wir genossen die Sicht auf den etwas außerirdisch anmutenden Fernsehturm. Auch Franz Kafkas Geburtshaus wurde genauso wie der Veitsdom bewundert und nach der kleinen Wanderung auf den Petrin (Laurenziberg) hatte man sich dann auch ein Pilsener Urquell verdient, auch wenn dieses in Diskussionen über die Abendgestaltung beinahe unterging.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder ausgeruht mit der U-Bahn los und blieben diesmal östlich der Moldau, wo wir dem Altstädter Rathaus einen Besuch abstatteten, den Wenzelplatz besuchten und nach einer abenteuerlichen Straßenbahnfahrt endlich das  Museum für moderne und zeitgenössische Kunst fanden. Es folgte das gemeinsame Abendessen auf dem Zeltplatz und danach warfen sich alle Mädchen in Schale, um Prag bei Nacht zu erleben. Das Erlebnis endete jedoch jäh in einem Stromausfall und nach einem morgendlichen Spaziergang brachte die erste U-Bahn des Tages uns und unsere kleinen Geschenke wieder ins Pfadfinderwalhalla, die Jurte.

Die Nacht war kurz, das Zelt musste um zehn Uhr abgebaut sein und so waren wir voller Tatendrang bei der Arbeit. Leider wich die vorbildliche Arbeitsmoral dann jedoch wieder relativ schnell von uns und nur unter Tränen konnten wir uns von Prag trennen. Um uns den Abschied zu erleichtern, bekamen wir noch eine kostenlose und äußerst aufregende Stadtfahrt geschenkt und so ging es wieder in Richtung Deutschland.

Unsere Fahrt führte uns geradewegs nach Bautzen, einem sehr schönen Städtchen mit einem herausragendem Wasserturm und einer auch nachts noch belebten Altstadt. Nachdem wir eine Ode an den Küchenchef Marc gerichtet hatten, da es herrlichen Gulasch mit tschechischen Knödeln gab, begaben wir uns auf den direkt an der Spree gelegenen Zeltplatz, einer ehemaligen Tuchfabrik. Hier konnten die sogenannten Lokomotiven erstmals aufgebaut und erprobt werden, damit wir keine unangenhemen Überraschungen beim Wandern erleben mussten. Abendliche Fußballfans versüßten uns die Nacht mit Kommentaren wie „Was geht ab?“, so dass es am nächsten Morgen nach dem Besuch der luxuriös ausgestattetn Einkaufspassage frisch und fröhlich weiter ging. 

In Görlitz, unserem nächsten Aufenthalt, stieß ein lang ersehntes Gruppenmitglied, Kai-Werner, zu uns und wir erkundeten die Stadt. Um unserer „Drei-Länder Tour“ alle Ehre zu machen, nutzten wir auch die Brücke über die Neiße, um nach Polen zu gelangen. Zum Übernachten belegten wir eine alte Laderampe im ausgedienten Güterbahnhof. Wieder einmal hatte uns die Nacht fest im Griff, wir nutzten die Gelegenheit und gingen in die Altstadt um uns das alljährliche Straßentheaterfestival anzuschauen. Die erste Gruppe überzeugte mit Kunststücken in haarsträubenden Höhen und auch die Engel auf der Kirche und den Markthäusern konnten sich unserer Bewunderung sicher sein. Aufgrund unserer etwas ungewöhnlichen Kleidung (Kluft etc.) zogen wir einige Aufmerksamkeit auf uns. Drei Mitglieder unserer Gruppe ließen sich ein Gedicht persönlich vorlesen und wir nahmen  Kontakt zur einheimischen Bevölkerung auf- nicht nur bei dem Besuch einer Künstlerin durch unseren Gruppenleieter.

Als wir in Bad Schandau angekommen waren, mussten wir unsere Rucksäcke für die Wanderung packen. Da dies, zusammen mit dem Hygienebedürfnis der Mädchen ein wenig länger dauerte, kamen wir gegen halb zwei los. Schon gleich ging es einen steilen Hügel hinauf und nach 15 Minuten wussten wir, auf welchen Höllentrip wir uns eingelassen hatten. Von den wunderschönen Felsen des Elbsandsteingebirges beeindruckt, liefen wir stetig weiter und erreichten die deutsch-tschechische Grenze bei Schmilka, wo wir uns zum Durstlöschen erst einmal eine Abkühlung kauften. Weiter ging es an der Elbe entlang nach Herrens-knechten und von dort führte uns der Weg an der Straße entlang hinauf zum großen Prebischtor, einer natürlichen Felsbrücke riesigen Ausmaßes mit entsprechendem Ausblick. Die Rucksäcke wurden immer schwerer, doch nichts hielt uns auf, und während neben uns die Natur sich von ihrer schönsten Seite zeigte, liefen wir stramm weiter bis nach Rainwiesen, wo uns nach 22 km unser Zeltplatz entgegenstrahlte. Endlich wieder Wasser, dachten alle, nur nicht Cosima, die sich stumm und heimlich noch einen Liter in ihrem Rucksack aufgehoben hatte- für „Notfälle“. Wir bauten also unsere urgemütlichen Zelte auf, in denen es doch sehr eng war und kochten uns unser Abendessen. Auch wenn die meisten ihren Arm aufgrund des Muskelkaters kaum heben konnten, verschwand die Kost in den Mägen und wir fielen in unsere Schlafsäcke.

Mit Getränken bestens versorgt, ging es früh am nächsten Morgen los, kurz vor der tschechischen Grenze erreichten wir das kleine Prebischtor. Hier suchten wir uns eine abenteuerliche Route, nachdem ein singender Wanderer sein Können zum Besten gegeben hatte. Auf engen Wegen ging es an den Abgrund gepresst entlang bis tief in den Wald, wo der Weg plötzlich endete. Macht nichts, dachten wir uns und liefen immer weiter, bis sich eine Felswand vor uns auftat, doch auch hier bahnten wir uns unseren Weg und fanden den Hauptweg wieder. Wir überquerten die Grenze und kamen in Hinterhermsdorf an. Im örtlichen Tante-Emma-Laden erwarben wir Schinken und Käse und kauften Getränke auf Vertrauensbasis- also ohne Pfand. Bei dem netten Verkäufer kauften wir dann auch am nächsten Morgen unser Brot. In dieser Nacht fing es an zu regnen und da unser Platz sehr steinig war, lief das Wasser nicht ab, sondern durch die Zelte hindurch. Nur bei zwei besonders sorgfältigen Jungs blieb alles trocken, bis sich der Rest entschloss, eben dieses Zelt ebenfalls abzubauen, weshalb alles durchnässt war.

Dementsprechend wanderten am nächsten Tag nur zwei Drittel der Gruppe zurück, der Rest passte auf das Material auf oder trampte nach Bad Schandau, um mit den Bus alles abzuholen. Noch einmal hatte uns die grüne Hölle im Griff, unf Frank pflegte seine eitrigen Wunden an den Hüften durch Tragen eines Rucksacks. Unsere Gitarre trieb uns alle Steigungen hinauf, auch andere Wanderer ließen sich von unserer Hymne: „ Der Berg ist mein Feind“ anstecken.

Abends fuhren wir in unserem Pfadfinderbus nach Dresden und bauten wieder einmal unsere Jurte auf. Dabei unterboten wir den Rekord aus Prag um fünf Minuten und stellten die Bestmarke von einer dreiviertel Stunde auf.

Am nächsten Tag mischten wir uns unter die Touristen aus aller Welt und sahen uns die obligatorischen Sehenswürdigkeiten an: Die Frauenkirche, das Schloß, die Semperoper und den Zwinger. Beeindruckt von dieser Kulisse geschah einem unserer Mädchen ein kleines Missgeschick auf den Brühlschen Terrassen, doch mit ungemeinem Charme wussten wir Schaden von uns zu wenden. Abends gab es ein Grillfest a la bonheur, bei dem man nach getaner Arbeit schon einmal direkt in die Schlafphase übergehen konnte.

Unseren letzten Tag in Dresden nutzten wir, um uns das japanische Palais mit dem Schloß August des Starken, dem die meisten berühmten Bauten in Dresden zuzuschreiben sind, zu bewundern. Leider hatten wir hier einen schmerzhaften Wespenstich zu vermelden, doch mit heldenhaften Mut konnten wir das Gift aussaugen und die Schmerzen lindern. Wir erkundeten noch die Neustadt mit ihren Kneipen und der Kunsthofpassage und machten uns dann an den kulinarischen Höhepunkt des Abends, es gab Rouladen. Bei dem anschließenden Festschmaus in Kluft und Krawatte ließen wir das Lager ausklingen und fanden zu später Stunde noch einen Freund nahmens Rolf.

 
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