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Über den Gründer der Pfadfinder Drucken E-Mail
Geschrieben von Florian Ries   

Heutschleichen-vergleiche ist der 22.2.2007 - Thinking Day! B.P. wäre heute 150 Jahre alt geworden und seine Frau Olave 128 Jahre! Ich nutze diese Gelegenheit, um ein paar Sätze über BiPi zu schreiben. 

Robert Stephenson Smyth wurde als fünfter von sechs Söhnen von insgesamt sieben Kindern am 22. Februar 1857 in London geboren. Er wurde von seiner Mutter aufgezogen, da sein Vater, ein Pfarrer, starb, als er drei Jahre alt war. Sein außergewöhnlicher Vorname setzt sich aus Namensteilen seines Taufpaten Robert Stephenson, Sohn eines Eisenbahnpioniers, und seinem Vorfahr John Smyth, einem Kapitän, der in Diensten Elisabeth I. von England stand, zusammen. Rufname wurde später Bi-Pi (sein Rufname bei den Pfadfindern, auch: B.P.). Der Großvater weckte im jungen Robert die Abenteuerlust und die Freude an der Natur. So suchte er zusammen mit ihm oftmals den Hyde Park auf, von dem er äußerst genaue Karten zeichnete. Als sein Großvater starb, unternahm Baden-Powell zahlreiche Streifzüge durch die Armenviertel der Stadt und lernte so das Leid und das Elend dieser Menschen kennen. Schon damals kam er zu der Überzeugung, etwas daran ändern zu müssen. Während seiner Schulzeit nutzte Baden-Powell jede freie Minute, um Spuren der Tiere zu suchen und den Wald kennenzulernen. In den Ferien ging er oft mit Freunden zum Campieren. Nach der Schule sollte er an die Universität gehen, bestand aber die Aufnahmeprüfung an der Universität Oxford nicht und meldete sich daraufhin bei der Militärakademie Sandhurst. Die Aufnahmeprüfung bestand er bei der Kavallerie als Zweit- und bei der Infanterie als Viertbester.

safari Er wurde 1876 nach Indien versetzt, wo er in seiner Freizeit in den Dschungel schlich und die wilden Tiere beobachtete. Auch organisierte er Theateraufführungen innerhalb der Garnison, machte erste Erfahrungen mit Jugendgruppen und erkannte bereits früh die Fehler der britischen Kolonialherrschaft, welche die Inder wie „unterentwickelte Briten“ und nicht wie Menschen mit einer anderen, aber großen Kultur behandelte. Die Kinder der Offiziere schätzten ihn als fröhlichen Kameraden und sahen ihm gerne beim Zeichnen von Bildern zu. Er konnte sehr gut zeichnen und zudem noch mit beiden Händen gleichzeitig! Mit der einen Hand zeichnete er, mit der anderen fügte er dabei die Schatten hinzu. Auch unternahm er wieder, nachdem er privat Hindi gelernt hatte, Streifzüge in die Armenviertel. 1880 wurde ihm befohlen, das Schlachtfeld von Maiwand, Schauplatz einer fürchterlichen Niederlage der Briten im Krieg gegen die Afghanen, zu kartographieren. An diesem grausamen Ort mit seinen halbskelettierten Menschen und Pferden und den unvermeidlichen Aasfressern kamen ihm die ersten großen Zweifel am Sinn von Kriegen.

Wegen seiner Fähigkeiten im Spurenlesen, die er in zahlreichen Fällen unter Beweis gestellt hatte, wurde er beauftragt, die Spurenleser (Scouts) auszubilden.

Aufgrund der gefährlichen Lage in Südafrika wurde er mit seimen Regiment dorthin versetzt und führte Kundschafterdienste aus. Er besuchte Zulus und Buren in Ihren Siedlungen und kehrte mit hervorragenden Karten und der Hoffnung auf eine friedliche Lösung zurück. 1885 wurde er, da sich die Lage beruhigt hatte, zusammen mit seinem Regiment nach England versetzt, doch las man bald wieder beunruhigende Nachrichten über Südafrika.

Der Zulukönig Dinizulu sammelte in einem Geheimbund, der inzwischen circa 16.000 Zulus umfasste, immer mehr Leute und führte sie in einen Zweifrontenkrieg gegen Briten und Buren. Da Briten und Buren die Zulus abwehren mussten, hatten Goldgräber und Sklavenhändler freie Hand. Dies versetzte die Region noch weiter in Unruhe. Hier sollte erwähnt werden, dass auch 2.000 Zulus auf englischer Seite mitkämpften; diese hatten den Schotten John Dunn zu ihrem Häuptling gewählt. Aufgrund seiner guten Ortskenntnisse und, wie damals vor allem Neider behaupteten, vielleicht auch weil sein Onkel Oberbefehlshaber war, wurde Baden-Powell als Adjutant im Range eines Hauptmanns wieder nach Afrika versetzt. Dort forderte er als erstes, nach einem erschütternden Erlebnis, mit Erfolg die Ausbildung von Soldaten in Erster Hilfe. Er machte sich sofort auf die Suche nach Dinizulu, den er in seinem Versteck fand und den er dann zusammen mit nur einem Gefährten daraus vertrieb. Kurz darauf wurde Dinizulu gefasst und B.P. vorzeitig zum Major befördert. Seine Anhänger schlossen nach ihrer Festnahme ohne weiteren Widerstand Frieden mit den Briten.

dreieckstuchverwendung Danach verbrachte er ein Jahr als Soldat auf Malta und zwei Jahre als Geheimagent mit dem Zeichnen von Befestigungsanlagen auf dem Balkan; dann wurde er auf persönlichen Wunsch nach England zurückversetzt. 1895 wurde er aufgrund des Krieges mit dem Volk der Ashanti wieder nach Afrika versetzt. Er war an der Gefangennahme des letzten souveränen Asantehene (König) der Aschanti, Pempreh, beteiligt, der damals fünfzehn Jahre alt war. Dieser wurde 1919 Gründungsmitglied der Pfadfinder in Ghana.

Kaum war Baden-Powell nach England zurückgekehrt, musste er schon wieder nach Afrika. Im sogenannten Matabele-Land, nördlich von Transvaal, war eine Revolte der Einheimischen ausgebrochen, und rasch waren die weit verstreut lebenden Briten entweder getötet worden oder in die Provinzhauptstadt Bulawayo geflohen, doch auch dieser drohte nun ein Angriff durch etwa 10.000 Matabele-Krieger, die sich in den umliegenden Bergen verschanzt hatten. Baden-Powell stellte sich gegen eine militärische Lösung, die ein Blutbad bedeutet hätte, und nahm den Anführer des Aufstandes, einen Medizinmann namens Uwini, gefangen, der glaubte, aufgrund der Einwirkung eines Gottes unsterblich zu sein und alle Weißen töten zu müssen. Hier erhielt er auch von den Matabele seinen Spitznamen: Impeesa (Der Wolf, der nie schläft).

boys_of_mafeking Am 14. Juni 1899 war Baden-Powell wieder in Afrika: Der zweite Burenkrieg war ausgebrochen. Schon zu Beginn des Krieges versuchten die Buren, den inzwischen überall bekannten Baden-Powell gefangen zu nehmen, doch immer entkam er ihnen, manchmal in letzter Sekunde. Durch geschickte Täuschungsmanöver gelang es ihm, die Stadt Mafeking 217 Tage lang mit 700 Soldaten gegen 9.000 Buren zu halten, bis sie entsetzt wurde. Hierbei wurden die Jungen der Stadt als Meldegänger und Spione eingesetzt. Durch die Verteidigung Mafekings wurde er in England zum Kriegshelden. Aber Baden-Powell empfand nur noch Verachtung für den Krieg und wehrte sich gegen diese Bezeichnung.

Während er noch in Mafeking eingeschlossen gewesen war, hatten sie in England sein Buch "Aids for Scouting" gekauft - und nun lasen sie zu Tausenden die Waldläufergeheimnisse ihres Idols. "Aids for Scouting" war ein Jugendbuch-Bestseller geworden! Das aber schien Baden-Powell sehr bedenklich zu sein. Denn "Aids for Scouting" war ein militärisches Buch, eine Lektüre für den dienstlichen Gebrauch von Offizieren und Soldaten. Als Mann, der den Frieden liebte, wollte er nicht, daß ein derartiges Buch in die Hände der Jungen kam. Doch die Entwicklung ließ sich weder rückgängig machen noch aufhalten. Ein Verbot hätte nichts mehr genützt. Außerdem war Baden-Powell gegen Verbote, wenn sie nicht unbedingt notwendig waren. Was nun tun?

Es gab nur eine Möglichkeit: Baden-Powell beschloß ein zweites Scouting-Buch zu schreiben, eines für die Jugend, in dem er die revolutionierenden pädagogischen Erkenntnisse von Mafeking mit den Waldläufergeheimnissen seines abenteuerlichen Dschungellebens verarbeitete. Es sollte ein umfrangreiches Werk werden, das er nur schreiben konnte, wenn er viel Zeit hatte. Es würde "Scouting for Boys" heißen. Doch so schnell liess sich sein Plan nicht verwirklichen.

Seine beruflichen Verpflichtungen als Offizier nahmen ihn voll in Anspruch. Er erhielt den Auftrag, die in Englands Diensten stehende berittende Schutzpolizei Südafrikas zu gründen und auszubilden. Durch die Gründung der South African Constabulary (SAC), einer britisch-burischen Polizeitruppe, trug er viel zur wirklichen Befriedung des Landes bei. Wie immer leistete er ganze Arbeit, und schon bald waren die berittenen Polizisten eine weithin berühmte Elitetruppe. Sie trugen einen breitrandigen Filzhut, Halstuch und Khakihemd - die spätere Tracht der Pfadfinder. Zum Generalmajor befördert sollte Baden-Powell jetzt die gesamte britische Kavallerie nach dem Vorbild der SAC organisieren und wurde zum Generalinspekteur der Kavallerie ernannt.

brownsea Erst 1907 fand er genug Zeit, seine langgehegte Idee einer Jugendpfadfindertruppe umzusetzen und veranstaltete vom 25. Juli bis 9. August 1907 mit 22 Jungen aller sozialen Schichten auf Brownsea Island (Großbritannien) das erste Jugendzeltlager. Er teilte die Jugendlichen in sogenannte Patrouillen ein und schrieb die Pfadfindergesetze. Im Frühjahr 1908 verwirklichte er endlich seinen Plan ein Pfadfinderbuch für die Jugend zu schreiben: “ Scouting for Boys “. Es erschien in sechs Teilen, die im Abstand von 14 Tagen herauskamen. Es sollte später in alle Kultursprachen übersetzt und das größte pädagogische Werk unseres Jahrhunderts werden. Hier formulierte er erstmals den Lehrgrundsatz Learning by doing (Lernen durch Tun). 1909 übernahm König Eduard VII. das Patronat über die Pfadfinder, die erste Pfadfindergruppe außerhalb Englands gegründet, und es gab die ersten Pfadfinderinnen. Die Pfadfinderbewegung war bis Ende 1908 auf 60000 Mitglieder angewachsen und holte sich Rat beim König, der den Dienst an den Boy Scouts für äußerst wichtig hielt. B.P. quittierte seinen Dienst bei der Armee im Mai 1910.

B.P. schwebte eine große Bruderschaft vor, ähnlich der Bruderschaft verbündeter Ritter des Mittelalters. Eine Bruderschaft für friedliche Zwecke jedoch, ohne Trennung durch Gesellschaftsklassen, Rasse, Nationalität oder Religionsgemeinschaft. Ritterlichkeit und Treue zu Gott - diese beiden Tugenden fand Baden-Powell in einer legendären Gestalt vereint : im Ritter St.Georg, den er 1909 offiziell zum Schutzpatron der Pfadfinder erklärte, “ weil er unter den Heiligen der einzige Ritter war “.stgeorg

Im Jahr 1912 unternahm Baden-Powell eine große Weltreise auf einem Schiff und lernte die damals 22 jährige Olave St. Clair kennen, die er am 30. Oktober 1912 heiratete. Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor. Olave begeisterte sich für die Pfadfinderidee ihres Mannes und übernahm im Jahre 1916 die Führung der englischen Girl Guides. Im Jahr

1919 bekamen die Pfadfinder von einem schottischen Landedelmann den Gilwellpark bei London als Ausbildungszentrum für Scoutmaster geschenkt. Die ersten Pfadfinderführer, die dort einen Lehrgang erfolgreich abschlossen, erhielten eine sonderbare Auszeichnung: zwei Holzstückchen, die sie an einer Lederschnur um den Hals tragen durften. Sie stammen von einer aus vielen Holzstückchen bestehenden Halskette, die der Zulu-Häuptling Dinzulu dem General seinerzeit in Afrika geschenkt hatte.

Im Jahre 1920 veranstaltete Baden-Powell das erste internationale Pfadfindertreffen (Jamboree) ( übersetzt - große Zusammenkunft ) in London, wo in der Olympia Hall 8000 Pfadfinder aus 27 Ländern zusammenkamen. Bei dieser Gelegenheit wurde er zum ersten und einzigen “ Chief Scout of the World “ ausgerufen. 1921 wurde Lady Olave Baden-Powell zur “ Chief Guide of the World “ ernannt, zu obersten Weltpfadfinderführerin (die sie bis zu ihrem Tod am 26 Juni 1977 blieb) Von 1930 bis 1937 reiste Lord Baden-Powell mit seiner Frau von einem Land zum anderen, um überall auf dem Erdball die Pfadfinder und Pfadfinderinnen zu besuchen.

Der Name des Parks, Gilwell, wurde 1929 auch Bestandteil des Namens von Baden-Powell, als ihn der König zum Baron adelte. Fortan hieß er : “Lord Baden-Powell of Gilwell “. Damals war er 72 Jahre alt.

Am 8. Januar 1941 starb Baden-Powell im Alter von fast 84 Jahren in Nyeri/Kenia. In seinem letzten Brief hinterließ er der Pfadfinderbewegung ihre bis heute wichtigsten Sätze: "Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als Ihr sie vorgefunden habt." "Der wahre Weg, um Glücklichkeit zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen."

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Quellen:

  • http://www.scoutbase.org.uk/library/hqdocs/facts/pdfs/fs295301.pdf
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Baden-Powell
  • E.E. Reynolds - BiPi (dt. Ausgabe, 1. Aufl. 1954, J.P. Himmer KG, Augsburg)
  • http://www.dpsg-dreisbe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=14&Itemid=33
  • http://www.partner-erde.de/deutsch/dpsg-rahmen.html unter Zahlen+Fakten
  • Harold Begbie: "Der Wolf that never Sleeps" unter http://www.gutenberg.org/etext/17300
  • die Bilder sind alle von BiPi. aus: Scouting for Boys, World Brotherhood Edition 1946 (veröffentlicht durch die Boy Scouts Of America)

 

 
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